![]() In Phantásia muss man hier allerdings einige Abstriche machen, denn Drache ist schließlich nicht einfach Drache. Nein, weit gefehlt - die Phantásier unterscheiden zwischen dem gemeinen Hausdrachen und dem ehrwürdigen Wyrm und Vergleiche zwischen beiden sind dem Vergleich zwischen Tag und Nacht recht ähnlich. Beides mögen die Phasen eines Tages sein und da hört es auch schon mit der Ähnlichkeit auf. So ist der gemeine Hausdrache (es ist allerdings recht unklug, diese Bezeichnung in seiner Nähe wirklich auszusprechen - auch ein kleiner Drache kann verdammt launisch sein und sein Atem ist nicht minder heiß als das eines ehrwürdigen Wyrm) ein kleinwüchsiger Drache, der etwas mehr als die Größe eines sehr hoch gewachsenen Reitpferdes erreicht. Wie ihre großen Verwandten (eine Verwandtschaft, die jeder ehrwürdige Wyrm sogleich vehement leugnen würde!), besitzen die Hausdrachen messerscharfe Zähne, die mühelos Knochen knacken können und eine dicke Schuppenschicht, an der die meisten Metallarten mühelos abprallen. Ähnlich wie Elfen besitzen sie ein launisches Gemüt und neigen zu schnellen Farbwechseln wenn sich ihre Stimmung ändert. Dies schreibt man ihrer angeblichen Verwandtschaft mit den Elfen zu, da die berühmtesten Wissenschaftler von Malomá von der These ausgehen, daß die Entstehung des gemeinen Haudrachen ein Unfall war, der davon herrührt, daß ein ehrwürdiger Wyrm in Menschengestalt eine Elfenjungfrau verführt hat, die ihm eigentlich geopfert werden sollte. Aus diesem Opfer entstand also offenbar eine ganze Familie von niedlichen kleinen Hausdrachen - allerdings gibt es keinen ehrwürdigen Wyrm, der sich zu einer solchen Tat bekannt hat und man kann davon ausgehen, daß die arme Seele von seinem eigenen Volk verstoßen worden ist. Man muss dabei jedoch erwähnen, daß die große Zuneigung, die der gemeine Hausdrache zu humanoiden Wesen empfindet ein deutliches Argument für diese These und gegen die peinlich berührten Aussagen der Wyrme ist. Aus dieser Zuneigung sind schließlich die Drachenreiter hervorgegangen (oh, als wie entwürdigend wird dies von den Wyrmen empfunden!), die eine sehr starke Bindung zu ihrem Reittier eingehen, die auf beiderseitigem Einverständnis und einem Eid vor den Göttinnen beruhen muss. Ein Hausdrache begleitet seinen Reiter oder sein auserkorenes Pflegepersonal meist für dessen ganzes Leben und legt sich dann zur Ruhe, wenn seine Bezugsperson aus dem Leben scheidet (dies mag erklären, warum Hausdrachen sich selten an kurzlebige Menschen binden wollen). Dabei kann er allerdings durchaus recht dominant werden und es erfordert einen starken Willen, sich nicht von seinem ‚Reittierchen' auf der Nase herumtanzen zu lassen oder von ihm herumkommandiert zu werden. Eines liegt also klar auf der Hand - ein Hausdrache interessiert sich keineswegs dafür, in einer zugigen Höhle zu hausen, sondern besteht auf einer standesgemäßen Unterbringung, die einen gewissen Luxus aufweist. Was Luxus bedeutet, ist dabei ein eher dehnbarer Begriff, der von einem einfachen Kaminfeuer bis hin zu persönlichen Dienern gehen mag. Bei dem gemeinen Hausdrachen unterscheidet man zwischen dem roten Feuerdrachen, dem blau-weißen Eisdrachen und dem grünen ‚Säurespucker'. Dabei gilt der Feuerdrache als majestätisches und temperamentvolles Wesen, das seinen Untergebenen oder seinem Reiter gerne ein wenig Feuer unter dem Hintern macht. Wie die beiden anderen Unterarten verfügt er über starke Flügel von einer enormen Spannweite, weist aber neben dem gezackten Schwanz noch zwei Hörner auf, die diesen fehlen. Auf den Spitzen der Hörner tanzen gerne einmal kleine Flammen und auf Wunsch kann der ganze Drache in Flammen aufgehen (für gewöhnlich ist es dann besser, wenn der Reiter sich nicht mehr auf seinem Rücken befindet...). Der Eisdrache hingegen spuckt anstelle von Feuer reines Eis - ganz gleich ob in Form von Pfeilen oder einem eisigen Hauch, der alles einzufrieren vermag. Seine Schuppen funkeln wie Eiskristalle und sind ebenso kalt, was dazu geführt hat, daß ihre Sättel eine Heizvorrichtung für den Reiter besitzen, wenn sie in den Dienst der Drachenreiter treten. Der Eisdrache ist ein wenig träge und nur schwer in Wut zu versetzen. Er liebt es zu schlafen und hält sich gerne in der Nähe von Kaminfeuer auf, was bei seiner Natur schwer zu verstehen ist. Eine etwas seltenere Ausprägung des Eisdrachen ist der weiße Nebeldrache, der gerne für sich bleibt und ein wenig ängstlich ist. Wenn er sich bedroht fühlt, kann er eine Wolke aus Nebel ausspucken, die sich sehr rasch ausbreitet, ist ansonsten jedoch eher pazifistisch veranlagt und hält sich von Gewalt und Streitereien fern. Der grüne Säurespucker ist wiederum eine ganz eigene Ausprägung des Hausdrachen. Großspurig und mit einer spitzen Zunge ausgestattet, ergeht er sich gerne in jeglicher Art von Auseinandersetzung und schreckt dabei nicht davor zurück, seinen Säurestrahl als zusätzliches Argument einzubringen. Auf Wunsch kann der Säurespucker reine Säure aus seinen dann abstehenden Schuppen hervordringen lassen, was ihn in eine triefende und unappetitlich aussehende, aufgeplusterte kleine Echse verwandelt, die äußerst gefährlich ist. Die Wissenschaft beschäftigt sich noch immer damit, einen Stoff zu erfinden, der von dieser Säure nicht zerfressen werden kann - schließlich haben die Säurespucker ihren Reitern schon oft übel mitgespielt, indem sie Sattel und Hintern einfach verätzt haben. Man kann also davon ausgehen, daß Säurespucker bei den Drachenreitern nicht sonderlich beliebt sind und nur von sehr mutigen oder selbst zerstörerischen Reitern ausgesucht werden. Die Unterarten des gemeinen Hausdrachen sind damit jedoch noch nicht erschöpft. Da man die Verführung jener Elfenjungfrau durch den Wyrm durchaus gerne Makarah in die Schuhe schiebt, hat der Gott des Chaos (nein, dafür verantwortlich ist er nicht, aber was ist schon gegen die Mehrung seiner Schandtaten zu sagen?) ein recht großes Interesse an den Hausdrachen entwickelt und er amüsiert sich gerne damit, ihnen neue Ausprägungen zu verpassen. So gibt es Gerüchte über einen höchst gefährlichen, chaotischen Schattendrachen, den Makarah sich zu seinem eigenen Reittier auserkoren hat. Nun, wenn dies der Wahrheit entspricht, kann man davon ausgehen, daß dieser Schattendrache schon bald seinen Fuß auf Phantásia setzen wird und nicht mehr lange im Verborgenen bleibt... |