![]() Spätestens die Wolkenfetzen machten es schwer, an eine nichtmagische Ursache zu glauben, ebenso wie die drei weiblichen Gestalten, die verzückt in einen großzügig gebauten Springbrunnen starrten, in dem lustig das Wasser plätscherte. "Seht nur, wie hübsch sie geworden ist! Ich wüsste doch schon immer, daß das Mädchen genau nach mir kommen würde." Eine schlanke Frau mit fließendem, goldenem Haar und Haut von der Farbe des Sonnenaufgangs sah die anderen mit einem herausfordernden Blick aus smaragdgrünen Augen an und lächelte vergnügt. Ihr gegenüber saß ihr genaues Gegenteil, eine Frau, deren Haut die Farbe des Nachthimmels hatte und deren Haar glatt und schwarz über ihre zarten Schultern floß. Ihre strahlend blauen Augen fingen den Blick der anderen auf und gaben ihn angriffslustig zurück. "Ach wirklich, Nalimá? Wie gut, daß mein Einfluß ihr wenigstens ein Gehirn gegeben hat. Du hättest das mit ziemlicher Sicherheit vergessen." Sie lächelte ihr Gegenüber süß an, was die dritte im Bunde dazu brachte die bernsteinfarbenen Augen genervt zu verdrehen. Auch sie war ein ebenso ungewöhnlicher Anblick wie die beiden anderen, ihre Haut hatte die Farbe der Dämmerung und ihr Haar fing das Rot des Sonnenuntergangs ein. "Nalimá, Dienée! Habt ihr nichts besseres zu tun, als ständig zu streiten? So helfen wir der Kleinen auch nicht weiter. Seht nur, sie langweilt sich! Laßt uns lieber überlegen, was wir für sie tun können." Die Angesprochenen verzogen beide die Gesichter und unterließen ihr Streitgespräch - zumindest für die nächste kurze Zeitspanne. Dann ergriff Nalimá erneut das Wort. "Wir machen eine Schauspielerin aus ihr! Die Theater von Chomoire können ein solch hübsches Talent sicher sehr gut brauchen - sie hätte Verehrer, die sie mit Geschenken überhäufen würden, Barden würden ihre Schönheit preisen und..." Dienée ließ beiläufig ihre Hand in das Wasser des Springbrunnens gleiten und spritzte dann eine nicht unwesentliche Portion davon auf Nalimá. Erschrocken quietschte diese auf und starrte Dienée mit einem giftigen Blick an. "Oh, verzeih Nalimá! Dein Vortrag hat mich so sehr gefesselt, daß ich einen Moment nicht aufgepasst habe! Aber kommen wir zurück auf das Schicksal unserer kleinen Elea ... sie würde eine hervorragende Magierin abgeben, denkt ihr nicht? Sie könnte alle Elemente beherrschen, Meisterin über Tag und Nacht sein, gefürchtet, bewundert..." Gelangweilt sah Nalimá zu Dienée hinüber und ihre Hand bewegte sich in einem kleinen Bogen. Das Wasser des Springbrunnens stieg immer weiter in die Luft empor, drehte sich dann am höchsten Punkt des Raumes und rauschte mit einem lauten Klatschen auf Dienées Kopf hinab, die sich wie ein Hund schüttelte und aufsprang. Gerade als sie den Mund öffnete, um einen Zauberspruch auf Nalimá zu feuern, ging Beliéne dazwischen. Ihre Hände bewegten sich in einem komplizierten Muster, das die Bewegungen der beiden anderen auf der Stelle einfror. "Hört auf damit, Elea sollte selbst über ihr Schicksal entscheiden, ohne daß ihr beiden euch einmischt! Euer Benehmen würde Makarah alle Ehre machen! " Schuldbewusst sahen die beiden Streihähne zu Beliéne, die sie mit einer weiteren Bewegung aus ihrer Starre erlöste. "Wir sollten uns nicht zu sehr einmischen, Elea hat sicher eigene Pläne - du hast ihr ja schließlich einen eigenen Kopf gegeben, nicht wahr, Dienée?" Beliéne sah mit einem gespielt unschuldigen Blick zu der angesprochenen Göttin hinüber und lächelte sie freundlich an. Dienée verschränkte die Arme vor der Brust und schwieg, was Nalimá für ein amüsiertes Kichern nutzte. "Also gut, wenn ihr beiden nun eure Streitereien lassen würdet, könnten wir uns vielleicht wieder der Beobachtung der Kleinen widmen. Ich denke wir haben alle noch einiges zu tun heute, nicht wahr?" Dienée und Nalimá nickten und richteten ihre Augen wieder auf das Wasser des Brunnens. Derart beschäftigt, bemerkten sie nicht, wie sich eine weitere, düstere Gestalt näherte, bis der ganze Raum von einem Schatten verdunkelt wurde der über die drei und den Springbrunnen fiel. "Ach, schau an - sind die drei Damen wieder mit ihren kleinen Manipulationen beschäftigt, natürlich wie gewöhnlich im Dienste eurer Untertanen, nicht wahr?" Erschrocken fuhren die drei herum und starrten feindselig auf den hoch gewachsenen Mann, der gerade eingetreten war. Schwarzes Leder hüllte seinen Körper ein und ein schlanker Degen hing an seiner Hüfte, keine gewöhnliche Waffe, wie es schien. Sie wirkte, als würde sie ein Eigenleben führen. Dienée sah den Mann kühl an und richtete dann das Wort an ihn. Ihre Stimme hätte ebenso gut aus Eis bestehen können und der Raum kühlte merklich ab. "Makarah, aus welchem Loch bist du denn gekrochen und was tust du hier eigentlich? Ist es dir langweilig ohne deine nichtexistenten Anhänger?" Der als Makarah angesprochene zog eine Augenbraue sarkastisch nach oben, was den Blick unweigerlich auf sein blaues und sein grünes Auge richtete. Sein Mund, der von einem kleinen dunklen Bart umrahmt wurde, verzog sich zu einem spöttischen Grinsen. "Die liebreizende Beliéne, deine kluge Schwester hat mich gerufen. Ich konnte dem Klang meines Namens von ihren zarten Lippen einfach nicht widerstehen." Beliéne verzog das Gesicht und ein sarkastischer Ton schlich sich in ihre normalerweise ruhige Stimme. "Dich zu rufen wäre das Letzte, was ich tun würde, Makarah. Ich kann sehr gut auf den Anblick deines 'liebreizenden' Gesichts verzichten. Aber da du nun schonmal hier bist, kannst du uns auch gerne verraten, was dich hierher geführt hat. Du kommst ja selten ohne Grund." Makarah trat näher auf die drei Göttinnen am Sprinbrunnen zu und setzte sich in einer fließenden Bewegung ebenfalls auf den Rand des Brunnens. Schnell wichen die anderen zurück und versammelten sich gemeinsam auf der anderen Seite. "Ich bin hier, um dich zu sehen, liebste Beliéne - weswegen denn sonst? Und natürlich wegen der kleinen Elea..." |